Wie ein Elefant im Prozellanladen

Erstaunt fanden wir in der Neuen Westfälischen Herford vom 13.01.14 einen Bericht und Fotos über ein Fußballhallenturnier vom JSG Hiddenhausen-Oetinghausen. Ein Foto zeigte geehrte Spieler und eine Spielerin, welche als einzige als Preis ein Porzellenset bekommen hat. Darauf hin haben wir folgende Pressemitteilung rausgegeben:

[PM] JSG Hiddenhausen-Oetinghausen- Ein Verein verhält sich wie der Elefant im Porzellanladen?

Nach dem D-Jugendfußballturnier der JSG Hiddenhausen-Oetinghausen werden die besten spielerischen Leistungen mit Pokalen ausgezeichet Alle besten Leistungen? Nein, nur der Torschützenkönig, der beste Spieler und der beste Torwart bekommen Pokale. Davon unterschieden wird die beste weibliche Spielerin. Diese bekommt ein Porzellanservice (siehe Foto in der NW vom 13.01.14.).

Nun mag es mancher (wie z.B. der von uns um Stellungnahme gebetene FLVW Herford) zum Schmunzeln finden, dass ein Mädchen einer U13-Mannschaft anstatt eines Pokales etwas viel Praktischeres bekommt. Schon die Frauen der deutschen Fußballnationalmannschaft bekamen als Anerkennung für ihren Sieg bei der Europameisterschaft 1989 ein Service von Villeroy und Boch. Und empörten sich zu Recht.

Pokale für die Jungs - Porzellan für die Mädchen. Oder in einem Wort: Sexismus.
Die Universität Bielefeld befasst sich in einer eigenen Arbeitseinheit unter anderem mit Diskriminierung und konnte herausfinden, dass sich Menschen, die Beispiele von Sexismus z.B. in der Werbung zu sehen bekamen, Frauen hinterher abwertender beurteilten und eher auf das Klischee „Hausfrau“ reduzierten. Es gibt also Gründe genug, das Schmunzeln einzustellen und stattdessen die Stirn zu runzeln.
Die Teilung der Menschen in weiblich und männlich ist eine soziale Konstruktion, mit welcher klare Rollenerwartungen und -zuweisungen verbunden sind. Das Mädchen bekommt Porzellan, weil es ein Mädchen ist und es deshalb besonders viel damit anfangen können müsste.

Seit 110 Jahren setzen sich die Falken in ihrer Kinder- und Jugendarbeit für geschlechtsunabhängige Gleichberechtigung ein.
Sexismus kann nur verhindert werden, wenn sich alle darüber verständigen, was Sexismus eigentlich meint und die Gründe dafür benennen können. Und das muss ein permanenter Prozess sein. Daher ist eine breite, gesamtgesellschaftliche kritische Auseinandersetzung mit Sexismus erforderlich.
Jeder Mensch ist individuell. Soziale Normen, Rollen und Fähigkeiten erlernen wir im Laufe unseres Lebens durch Erziehung und gesellschaftliche Sozialisation, aber auch unbewusst durch die Reaktionen unserer Mitmenschen. Darum sollte die Vielfalt von Lebensentwürfen geachtet werden und der freundschaftliche Umgang miteinander selbstbestimmt, gleichberechtigt und unabhängig von Alter, zugeschriebenem Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Bildungsstand, finanziellen Möglichkeiten und in gleichberechtigter Art und Weise verlaufen.

Gibt die Reaktion der Eltern und Anderer den Verantwortlichen genug zu denken, damit bei der nächsten Auflage des beliebten Hallenturniers für alle Ausgezeichneten derselbe Preis vergeben wird? Vielleicht werden für die Bewertung der Leistung dann auch nicht mehr die Kategorien Jungen und Mädchen herangezogen. Dafür würde der Verein zumindest von uns einen Blumentopf gewinnen.